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Rückblick: Erneuerbare Energiesysteme hacken mit der Libre Solar Box

Axel Dürkop

Wie kann Sonnenenergie umgewandelt und gespeichert werden? Das haben sich die Teilnehmenden des Workshops "Libre Solar Box - hacke dein eigenes erneuerbares Energiesystem" gefragt und herausgefunden.

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Michel Langhammer erläutert das Zusammenwirken von Solarmodul und Box bei feinstem Sonnenschein. Foto: Axel Dürkop

Balkonkraftwerke haben Solarenergie noch einmal neu und anders populär gemacht. Mittlerweile gibt es Module und Wechselrichter in Bauhäusern und natürlich im Online-Versand. Sie sind einfach an Hauswand oder Balkon anzubringen und helfen, die Stromkosten eines Haushalts zu reduzieren - wenn die Sonne scheint.

Um den produzierten Strom auch in der Nacht nutzen zu können oder transportabel zu machen, sind Speicher eine sinnvolle Ergänzung zu einer Solaranlage. In unserem Workshop haben wir uns so ein Konstrukt aus Solarmodul, Solarladeregler und Akku einmal genauer angeschaut. Zum Einsatz kamen aber keine handelsüblichen Geräte, sondern Open-Source-Hardware.

Open-Source-Hardware: Was ist das?

Open-Source-Hardware (OSH) bezieht sich auf physische Objekte, Geräte oder Systeme, deren Design und Dokumentation für die Öffentlichkeit frei verfügbar sind. Ähnlich wie bei Open-Source-Software (OSS) geht es bei Open-Source-Hardware darum, die Freiheit und die Möglichkeit zu bieten, das Design, die Funktionsweise und die technischen Spezifikationen eines Produkts einzusehen, zu modifizieren, zu teilen und zu verwenden.

Der Workshopleiter Michel Langhammer ist überzeugt davon, dass Open-Source-Hardware Menschen mehr Gestaltungsmöglichkeiten gibt und sie insgesamt kompetenter im Umgang mit Technik macht. Unter seiner Anleitung haben wir diese Idee ebenfalls im Workshop untersucht.

Theorie und Praxis

Zunächst hat Michel in die notwendigen Größen und Zusammenhänge der Elektrotechnik eingeführt und einige Rechenbeispiele zu Leistung, Strom und Spannung vorgerechnet. Anschließend bekamen die vierzehn Teilnehmenden vier Solarboxen, die sie unter Anleitung von Michel auseinandergenommen und besprochen haben. Es wurde viel miteinander geredet und einige, die sich in der Materie schon ein wenig auskannten, gaben ihr Wissen weiter.

Die Grundlagen der Elektrotechnik, die für die Solaranlage wichtig sind, schließen an den Physikunterricht in der Schule an. So schwer ist der Stoff also nicht, aber lange her... Foto: KEBAP e.V.
Die Grundlagen der Elektrotechnik, die für die Solaranlage wichtig sind, schließen an den Physikunterricht in der Schule an. So schwer ist der Stoff also nicht, aber lange her... Foto: KEBAP e.V.

Michel zeigt parallel auf der Beamerleinwand die zugrunde liegenden Schaltpläne und auch Dateien für den Lasercutter. Das Holzgehäuse wird mit einem Lasercutter gefertigt, die Platinen des Solarladereglers nach frei verfügbaren Schaltplänen produziert und bestückt.

Die Solarbox enthält nicht viele Bauteile. Sie taugt daher als sinnvolles Einstiegsprojekt in die Solartechnik. Foto: Axel Dürkop
Die Solarbox enthält nicht viele Bauteile. Sie taugt daher als sinnvolles Einstiegsprojekt in die Solartechnik. Foto: Axel Dürkop

Hacken: Was bedeutet das eigentlich?

Das Wort hacken hat je nach Kontext unterschiedliche Bedeutungen. Oft wird es in der Presse im Zusammenhang mit Angriffen auf Computersysteme genannt und ist damit meistens negativ geprägt.

Es kann aber auch bedeuten, kreativ mit Technik umzugehen und Probleme auf unkonventionelle Weise zu lösen. Der deutsche Computerpionier Wau Holland hat dazu einmal gesagt: “Ein Hacker ist jemand, der versucht einen Weg zu finden, wie man mit einer Kaffeemaschine Toast zubereiten kann.”

In diesem zweiten Sinne wollen wir das Hacken in den WATTwanderungen verstanden wissen: kreativ mit Technik umgehen, um gesellschaftliche Herausforderungen anzugehen.

Wie anfangen?

Die Teilnehmenden bauten die Solarbox auch wieder zusammen und bereicherten den Workshop mit vielen Fragen und Ideen. Der Workshop warf am Ende aber auch eine entscheidende Frage auf: Pläne, Software und Konzepte sind offen und frei verfügbar, aber wie fange ich konkret an, wenn ich eine eigene Solarbox bauen will?

Vor dem KulturEnergieBunker in Altona saßen die Workshopteilnehmenden an Biertischen und zerlegten die Libre Solar Box. Foto: Axel Dürkop
Vor dem KulturEnergieBunker in Altona saßen die Workshopteilnehmenden an Biertischen und zerlegten die Libre Solar Box. Foto: Axel Dürkop

Klar ist, dass der Zugang zu den Werkzeugen, Maschinen und Materialien immer noch eine Hürde für den Eigenbau von Open-Source-Hardware darstellt. Deshalb haben viele Städte und Gemeinden mittlerweile sogenannte Fab Labs oder Makerspaces eingerichtet. In Hamburg gibt es auch mehrere, u.a. eins in der Zentralbibliothek am Hühnerposten. Es gehört zum Verein Fab City Hamburg e.V., der die Entwicklung und Nutzung von Open-Source-Hardware in Hamburg fördert und auch Bildungseinrichtungen mit diesem Anliegen vernetzt.

Das Auseinandernehmen und Wiederzusammenbauen der Box hat allen viel Spaß gemacht. Dabei wurde viel miteinander gesprochen und Wissen geteilt. Foto: KEBAP e.V.
Das Auseinandernehmen und Wiederzusammenbauen der Box hat allen viel Spaß gemacht. Dabei wurde viel miteinander gesprochen und Wissen geteilt. Foto: KEBAP e.V.

Wir haben uns darauf verabredet, die Teilnehmenden und weitere Interessierte in das Fab Lab am Hühnerposten einzuladen, um die konkreten ersten Schritte bei der Nachnutzung des Open-Source-Materials zur Libre Solar Box gemeinsam zu gehen.

Der Termin wird hier angekündigt und im ersten Quartal 2024 liegen.

Zukünfte mit Solarenergie

Weil sie beim BioGAStmahl so gut funktioniert hat, haben wir unsere “Zettelmethode” zum Einsammeln von Zukünften auch bei dieser Veranstaltung wieder aufgenommen. Dodo Schielein hat dafür eigens Zettel gestaltet, die mit “Zukünfte-Spezialklammern” überall angeklemmt werden können, wo Gedanken zur Energiewende angebracht sind.

Die Sammlung der Ideen ist in der Abteilung Zukünfte auf dieser Seite einsehbar.

Am Ende des Workshops schrieben die Teilnehmenden ihre Gedanken zu den Potenzialen von Solarenergie auf unsere Zukunftszettel. Foto: Axel Dürkop
Am Ende des Workshops schrieben die Teilnehmenden ihre Gedanken zu den Potenzialen von Solarenergie auf unsere Zukunftszettel. Foto: Axel Dürkop

Weiterführende Informationen

WATTwanderungen in Hamburg

wird organisiert, gefördert und unterstützt von

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Logo der TU Hamburg
Logo der Zinnwerke in Wilhelmsburg
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